Jetzt ist die Zeit reif. Wann wird sie es wieder sein?

 

 

 

 



 

 

 

Wer beschissene Beziehungen hat, kann nur eine beschissene Politik machen.

 

 

 



 

 

 

Solange die Menschen an eine Weltverschwörung glauben, braucht es keine Weltverschwörung, um sie zu beherrschen.

 

 

 

 



wir haben erkannt, dass ein prozess umfassender entfremdung eingesetzt hat. wir haben es satt, dass uns vorgeschrieben wird, wie man zu leben hat. dass verordnungen und das streben nach sicherheit mehr zählen als unsere unmittelbare wirklichkeit. wir merken mit einem mal, dass unsere entscheidungen bestimmt werden von denen, die niemals anteil an unserem leben hatten. eu-bürokraten und magistratsbeamte, versicherungsvertreter und private dienstleister, alle jene, die wir nie gefragt haben und die doch in unsrem namen handeln. die verhindern, dass wir bis ins mark erschüttert werden von einem ungezähmten leben. alle, die uns mahnend festhalten, obwohl uns die sehnsucht nach unvorhergesehenheit, die sehnsucht nach ereignissen, die nur uns selbst eigen sind, auffordert, nichts mehr gelten zu lassen als den moment. uns allen wird inmitten einer welle unbeschreibbarer beschämung klar, dass wir nach und nach alles fahren haben lassen, was uns überhaupt zu menschen macht. die spontane freude. die neugier, das wagnis, die wut und die großzügigkeit. dass wir uns auf gelangweilte existenzen haben reduzieren lassen, die im konsum trost suchen, um die gefahr des augenblicks und der der euphorie zu entschärfen. dass wir zu einer schweigenden masse der u-bahnsteige wurden, zu anonymen nachbarn und ewig konsumgeilen kunden stetig wachsender einkaufsstraßen. wir leben ein vom kapitalistischen system in allen bereichen geprägtes Leben. um das system zu ändern müssen wir das leben selbst ändern. radikal. je radikaler die änderung vonstatten geht, desto mehr wird das system in mitleidenschaft gezogen, bis es sich auflöst.
 



ich habe immer nach einer wirklichkeit gesucht und fand sie nur im verborgenen. in gesten und blicken, die eine andere welt verraten haben, die nicht zutage treten kann. weil sie nicht gestattet wird. weil wir dann nicht mehr fassbar sind. aber die fassungslosigkeit, die bringt uns doch erst weiter. wir selbst aber gestatten uns nicht den aufstand. betäubt von ständigen krisenwarnungen, sei es politischer oder ökonmischer natur werden wir zu einer krankhaften feindseligeit gegenüber allem unbekannten angehalten. doch von uns selbst entfremdet wird das fremde klarerweise zur bedrohnung. dass das unbekannte überhaupt erst die möglichkeit bereithält, zu wachsen, haben wir bereitwillig in einer ständigen alarmiertheit unserer gesellschaftlichen wirklichkeit vergessen. so umgeben wir uns immer mehr mit dem was uns gleicht und stürzen damit in einen tödlichen abgrund ewiger selbstbestätigung. wir haben uns schon so sehr mit dem system verbunden, sind eins geworden mit ihm, dass es keinen beherrscher mehr gibt, den man attackieren kann. ich aber habe nun begriffen: wir müssen in uns selbst das zestören, was uns abschneidet vom leben. jeder augenkontakt auf der straße kann ein rebellischer akt werden. jede aufmerksamkeit dem fremden gegenüber, jedes mitgefühl für bettler und gebrechliche. jede sekunde hinwendung, die wir jenen schenken, von denen wir nichts wollen, erhöht das wirkliche lebenskapital einer gemeinschaft. jede unsinnigkeit, mit der wir die straßen bestücken, jede sinnlose intervention auf den wegen durch unsere stadt unterhöhlt die auf reine effektivität aufgebaute architektur des praktikablen. jedes ding an sich, jede geste ohne ziel wird zur feier des lebens selbst, weil sie keiner notwendigkeit, keiner produktion mehr untergeordnet ist. menschen, die sinnlos auf der straße verharren, werden unsere neuen helden. all die nutzlosen, die obdachlosen, die verrückten und die alten, all ihre nutzloigkeit wird uns zum größten nutzen. wir erschauern angesichts einer unmöglichkeit, die sich anschickt, unser leben zu berühren.

 

- wir sind überall


 Trauriges Wien

Teil 1