ich habe immer nach einer wirklichkeit gesucht und fand sie nur im verborgenen. in gesten und blicken, die eine andere welt verraten haben, die nicht zutage treten kann. weil sie nicht gestattet wird. weil wir dann nicht mehr fassbar sind. aber die fassungslosigkeit, die bringt uns doch erst weiter. wir selbst aber gestatten uns nicht den aufstand. betäubt von ständigen krisenwarnungen, sei es politischer oder ökonmischer natur werden wir zu einer krankhaften feindseligeit gegenüber allem unbekannten angehalten. doch von uns selbst entfremdet wird das fremde klarerweise zur bedrohnung. dass das unbekannte überhaupt erst die möglichkeit bereithält, zu wachsen, haben wir bereitwillig in einer ständigen alarmiertheit unserer gesellschaftlichen wirklichkeit vergessen. so umgeben wir uns immer mehr mit dem was uns gleicht und stürzen damit in einen tödlichen abgrund ewiger selbstbestätigung. wir haben uns schon so sehr mit dem system verbunden, sind eins geworden mit ihm, dass es keinen beherrscher mehr gibt, den man attackieren kann. ich aber habe nun begriffen: wir müssen in uns selbst das zestören, was uns abschneidet vom leben. jeder augenkontakt auf der straße kann ein rebellischer akt werden. jede aufmerksamkeit dem fremden gegenüber, jedes mitgefühl für bettler und gebrechliche. jede sekunde hinwendung, die wir jenen schenken, von denen wir nichts wollen, erhöht das wirkliche lebenskapital einer gemeinschaft. jede unsinnigkeit, mit der wir die straßen bestücken, jede sinnlose intervention auf den wegen durch unsere stadt unterhöhlt die auf reine effektivität aufgebaute architektur des praktikablen. jedes ding an sich, jede geste ohne ziel wird zur feier des lebens selbst, weil sie keiner notwendigkeit, keiner produktion mehr untergeordnet ist. menschen, die sinnlos auf der straße verharren, werden unsere neuen helden. all die nutzlosen, die obdachlosen, die verrückten und die alten, all ihre nutzloigkeit wird uns zum größten nutzen. wir erschauern angesichts einer unmöglichkeit, die sich anschickt, unser leben zu berühren.

 

- wir sind überall