wir haben erkannt, dass ein prozess umfassender entfremdung eingesetzt hat. wir haben es satt, dass uns vorgeschrieben wird, wie man zu leben hat. dass verordnungen und das streben nach sicherheit mehr zählen als unsere unmittelbare wirklichkeit. wir merken mit einem mal, dass unsere entscheidungen bestimmt werden von denen, die niemals anteil an unserem leben hatten. eu-bürokraten und magistratsbeamte, versicherungsvertreter und private dienstleister, alle jene, die wir nie gefragt haben und die doch in unsrem namen handeln. die verhindern, dass wir bis ins mark erschüttert werden von einem ungezähmten leben. alle, die uns mahnend festhalten, obwohl uns die sehnsucht nach unvorhergesehenheit, die sehnsucht nach ereignissen, die nur uns selbst eigen sind, auffordert, nichts mehr gelten zu lassen als den moment. uns allen wird inmitten einer welle unbeschreibbarer beschämung klar, dass wir nach und nach alles fahren haben lassen, was uns überhaupt zu menschen macht. die spontane freude. die neugier, das wagnis, die wut und die großzügigkeit. dass wir uns auf gelangweilte existenzen haben reduzieren lassen, die im konsum trost suchen, um die gefahr des augenblicks und der der euphorie zu entschärfen. dass wir zu einer schweigenden masse der u-bahnsteige wurden, zu anonymen nachbarn und ewig konsumgeilen kunden stetig wachsender einkaufsstraßen. wir leben ein vom kapitalistischen system in allen bereichen geprägtes Leben. um das system zu ändern müssen wir das leben selbst ändern. radikal. je radikaler die änderung vonstatten geht, desto mehr wird das system in mitleidenschaft gezogen, bis es sich auflöst.
 
- wir sind überall